Archäologischer Park Byllis

 

Byllis gehört zu den eindrucksvollsten archäologischen Stätten Albaniens und liegt oberhalb des heutigen Ortes Hekal. Die antike Stadt erstreckt sich auf einem langgezogenen Höhenrücken und dominiert von dort aus die umliegende Landschaft. Der Blick öffnet sich weit über das Tal der Vjosa – eines der letzten „wilden“, also weitgehend unregulierten, Flusssysteme Europas – sowie über die hügelige Region Mallakastër.

 

Historische Einordnung

Byllis wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. gegründet und entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum des illyrischen Stammes der Byllionen. Die Stadt war stark befestigt und von einer rund 2,2 Kilometer langen Mauer umgeben, die große Teile des Plateaus einschloss. Bereits in hellenistischer Zeit verfügte Byllis über eine klar strukturierte Stadtplanung mit Agora, Theater, Gymnasion und Wohnvierteln.

Im 2. Jahrhundert v. Chr. geriet die Region unter römischen Einfluss, später wurde Byllis in das Römische Reich integriert. In der Spätantike erlebte die Stadt eine zweite Blüte: Es entstanden mehrere frühchristliche Basiliken, was auf eine weiterhin bedeutende Rolle als religiöses Zentrum hinweist. Im 6. Jahrhundert n. Chr. wurde Byllis im Zuge von Erdbeben und slawischen Einfällen weitgehend aufgegeben.

Heute sind große Teile der Stadt freigelegt, wobei die Dimensionen der Anlage und der Erhaltungszustand vieler Strukturen besonders bemerkenswert sind.

 

Was es zu sehen gibt

Die Ausgrabungsstätte erschließt sich nicht auf einen Blick, sondern entfaltet sich in ihrer Größe Schritt für Schritt.

Stadtmauern: Massive Befestigungsanlagen mit gut sichtbaren Toranlagen, die die einstige Bedeutung der Stadt unterstreichen.

Theater: Eines der größten antiken Theater Albaniens, eindrucksvoll in den Hang gebaut.

Basiliken: Mehrere frühchristliche Kirchen mit Resten von Mosaiken und klar erkennbaren Grundrissen.

Straßennetz und Wohnstrukturen: Teilweise erstaunlich gut erhaltene Grundmauern, die den Stadtgrundriss nachvollziehbar machen.

Zisternen und öffentliche Gebäude: Hinweise auf eine ausgeklügelte Infrastruktur.

 

Anfahrt und Eindrücke

Die Anfahrt nach Byllis ist bereits Teil des Erlebnisses. Die Straße windet sich in engen Kurven immer weiter den Berg hinauf, wird zunehmend steiler. Mit jeder Kehre öffnet sich der Blick ein Stück weiter über die umliegende Landschaft, bis man fast oben angekommen instinktiv langsamer wird – nicht aus fahrtechnischen Gründen, sondern weil die ersten Mauern und Steinstrukturen auftauchen und die Aussicht einfach grandios ist.

Wir machen hier bereits einen ersten Halt. Noch bevor wir den eigentlichen Eingang erreichen, liegen verstreut die ersten Mauerreste im Gelände, dahinter fällt der Blick weit ins Tal. Wir schauen auf ein wunderschönes Albanien – ein Moment, in dem man die Schönheit einer Landschaft kaum allumfassend aufnehmen kann. Erinnert ihr euch noch an die Top-5-Liste, von der ich sprach – die Liste, auf der keine 5 Orte passen, sondern inzwischen mehr als 30 stehen? Byllis auf jeden Fall auch! Top-5-würdig!

 

Während wir noch mit Kameraeinstellungen, Fotografieren und Blicke-über-die-Landschaft-Schweifen-Lassen beschäftigt sind, kommt uns ein Mann zu Fuß den Hang hinunter entgegen – der Parkwächter. Im ersten Moment denke ich mal wieder ganz deutsch: Oh je, bestimmt dürfen wir hier nicht parken. Aber nein, er ist super freundlich und hat einfach Sorge, wir könnten denken, dass diese ersten Steine bereits die Ausgrabung seien. Er möchte sicherstellen, dass wir den eigentlichen Zugang finden – den Weg nach ganz oben. Wie freundlich die Menschen hier sind!

 

Der Rundgang durch Byllis wird von Abschnitt zu Abschnitt immer spektakulärer. Ich weiß, ich verwende hier ganz schön viele Superlative und alles ist "umwerfend", "spektakulär" und "atemberaubend". Aber für uns war es so. Und wahrscheinlich ist es auch ein Grund für unsere vielen Fotos. Für uns bedeutet das erneute Anschauen, wieder ein Stückchen da zu sein, wieder diese Erinnerungen und Gefühle hochholen zu können … wie es war, mit dem Wind um die Nase als einzige Besucher*innen in diesem riesigen Gelände umherzustreifen und hinter jeder Ecke eine neue Aussicht zu entdecken, neue Mauern, Gänge, Bögen oder Gebäude …

Bereits die unteren Bereiche sind beeindruckend: klare Straßenzüge, massive Mauern, Strukturen, die sich ohne große Erklärung erschließen. Je weiter man sich nach oben bewegt, desto deutlicher wird die Dimension der Stadt. Und dann, fast am höchsten Punkt angekommen, öffnet sich die Sicht komplett: Das Theater liegt unterhalb, in den Hang gebaut, mit freiem Blick in die Landschaft. Dahinter breitet sich das Vjosa-Tal aus – weit, ruhig, kaum zerschnitten von moderner Infrastruktur. Der Fluss zieht sich als silbriges Band durch die Ebene, eingerahmt von Hügelketten, die den Horizont weich begrenzen. Es ist so, soo schön!

 

Rückfahrt zum Campingplatz mit einigen "Hindernissen", schönen Ausblicken und Sonnenuntergang über Vlora