Montenegro



Ankunft in Montenegro 


Kotor–Lovćen

Cable Car


Durmitor Nationalpark


Camping Maslina und neue Freunde







Stari Bar

Old Town Bar

Skadarsko jezero 

Skutarisee

Camp Usce und Abschied 


Ankunft in Montenegro

 

Montenegro liegt im westlichen Balkan und grenzt an Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Albanien und an die Adria. Mit rund 620.000 Einwohner*innen gehört es zu den kleineren Staaten Europas – geografisch wie politisch jedoch mit großer Bedeutung für die Region. Montenegro erklärte 2006 nach einem Referendum seine Unabhängigkeit von der damaligen Staatenunion mit Serbien. Damit wurde es einer der jüngsten souveränen Staaten Europas. Zuvor war das Land Teil verschiedener politischer Konstrukte: des Osmanischen Reiches, des Königreichs Jugoslawien, des sozialistischen Jugoslawiens und später der Bundesrepublik Jugoslawien beziehungsweise Serbien und Montenegro.

Heute ist Montenegro NATO-Mitglied und EU-Beitrittskandidat. Politisch befindet sich das Land weiterhin in einem Transformationsprozess – mit Themen wie Korruption, wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Tourismus und Spannungen zwischen pro-westlichen und pro-serbisch/russisch orientierten politischen Kräften.

Montenegro ist kein Mitglied der Europäischen Union – und trotzdem wird hier ganz offiziell mit dem Euro bezahlt. Das liegt an einer besonderen wirtschaftlichen Entwicklung: Nach dem Zerfall Jugoslawiens und den Inflationsjahren der 1990er führte Montenegro zunächst die D-Mark ein, um Stabilität zu schaffen. Als in Deutschland 2002 der Euro eingeführt wurde, übernahm Montenegro diesen Schritt ebenfalls – ohne formelles Abkommen mit der EU. Man spricht von einer einseitigen Euroisierung. Montenegro darf also den Euro nutzen, sitzt aber nicht in den Gremien der Europäischen Zentralbank und hat keinen Einfluss auf die Geldpolitik.

Für uns fühlt sich das nach Zloty in Polen, Forint in Ungarn, Leu in Rumänien, Dinar in Serbien und Konvertiblen Mark in Bosnien und Herzegowina fast schon ungewohnt komfortabel an – einfach ankommen, bezahlen, ohne rechnen und ohne Restbestände in einer weiteren Währung.

 

Landschaft: Extreme auf kleinem Raum

Der Name Montenegro stammt von venezianischen Seefahrer*innen der Republik Venedig. Vom Meer aus blickten sie auf die steil aufragenden, dicht bewaldeten Berge oberhalb der Adriaküste und nannten sie Monte negro – „schwarzer Berg“. Dabei ist Montenegro alles andere als schwarz. Das Land ist grün, vielerorts dicht bewaldet und von hellen Kalksteinfelsen durchzogen. „Schwarz“ bezog sich vermutlich auf die dunklen Wälder des Lovćen-Massivs, die starken Schattenwürfe der steilen Berge und auf die dramatische Silhouette, die sich vom Meer aus abzeichnete. Gerade am Abend, wenn die Sonne tief steht und ganze Hänge im Schatten liegen, versteht man, wie dieser Eindruck entstehen konnte. In der Landessprache heißt Montenegro übrigens Crna Gora.

Die Natur ist wunderschön und für ein so kleines Land extrem abwechslungsreich. Es gibt schroffe Gebirgszüge, tiefe Schluchten und eine schmale, aber spektakuläre Adriaküste. Im Norden dominieren Hochgebirge wie der Nationalpark Durmitor mit seinen Gletscherseen und der Tara-Schlucht, eine der tiefsten Europas. Im Süden öffnet sich das Land zur Adria mit Badeorten, alten Handelsstädten und fjordähnlichen Buchten. Besonders bekannt ist die Bucht von Kotor – ein fast unwirklich schönes Naturensemble aus Bergen und Meer, das zum UNESCO-Welterbe gehört. Es ist absurd, wie unterschiedlich das Klima während unserer Zeit hier ist: wir buchen eine Tour durch den Durmitor Nationalpark und unser Mitreisender Andy badet noch in 1.400 Meter Höhe im Gletschersee Crno Jezero bei strahlendem Sonnenschein. Nur kurze Zeit später, während wir an der Adriaküste in der Sonne liegen und braten, gibt es einen frühen Windereinbruch im Norden des Landes und Durmitor liegt im tiefen Schnee.

 

Kultur und Identität

Montenegro liegt kulturell zwischen Ost und West. Orthodoxe Kirchen prägen vielerorts das Bild, daneben gibt es muslimische Gemeinden, vor allem im Süden und Osten des Landes. Die Identitätsfrage – montenegrinisch oder serbisch – spielt politisch und gesellschaftlich eine Rolle und zeigt, wie stark Geschichte bis heute nachwirkt. Die Städte erzählen von venezianischem Einfluss an der Küste, von osmanischer Vergangenheit im Hinterland und von sozialistischer Architektur aus jugoslawischer Zeit.

Kulinarisch spiegelt sich die Lage zwischen Mittelmeer und Balkan wider. An der Küste dominieren Fisch, Meeresfrüchte, Olivenöl und mediterrane Aromen. Im Landesinneren gibt es herzhafte Fleischgerichte, viel Lammfleisch, aber auch Fisch aus den Flüssen, Eintöpfe und viel Käse. Typisch sind luftgetrockneter Schinken (Pršut), gegrilltes Fleisch und einfache, kräftige Gerichte.

 

Ein „Durchatmen“ nach Bosnien und Herzegowina

Nach der sehr prägenden, oft schweren Geschichte in Bosnien und Herzegowina fühlt sich Montenegro für uns wie ein kleines Durchatmen an. Weniger sichtbare Narben des Krieges, weniger komplexe politische Ebenen im Alltag – stattdessen viel Natur, Meer und Weite. Und irgendwie stellen wir fest, dass wir es erstaunlich gut hinbekommen, auf dieser Reise „anstrengende“ und „weniger anstrengende“ Länder im Wechsel zu besuchen:

Ungarn (anstrengend), Rumänien (easy), Serbien (anstrengend), Kroatien (easy), Bosnien und Herzegowina (anstrengend), Montenegro (easy), Albanien (anstrengend), Griechenland (easy).

Wobei „anstrengend“ natürlich ausschließlich im Sinne von historisch und politisch herausfordernd gemeint ist – nicht als Bewertung der Menschen oder der Länder selbst. Im Gegenteil – gerade die "anstrengenden" Erfahrungen sind sehr nachhaltig und lehrreich.

 

Unser erster Stopp: Die Bucht von Kotor

Für die Planung unserer Zeit in Montenegro haben wir das Glück auf gute "Insider Infos" zurückgreifen zu können. Ich schreibe Jennifer aus Berlin an. Mit ihr und ihrem besten Freund haben wir Silvester 2024/25 verbracht. Wir hatten die Hoffnung, uns wieder in Berlin zu treffen, haben es seitdem aber leider nicht wieder in die Hauptstadt geschafft – wird unbedingt nachgeholt! Liebe Grüße an dich, Jennifer <3 Sie war jedenfalls schon einige Male in Montenegro und ist ganz begeistert von diesem wunderschönen Land. Wir erhalten eine tolle Liste mit Tipps und Erfahrungswerten. Auch wenn wir nicht alles davon schaffen, ist es sehr hilfreich, eine erste Orientierung zu bekommen. Und wir sind vorgewarnt, was die Fahrkünste der Einheimischen angeht :-P

Unser erster Halt liegt in der malerischen Bucht von Kotor, kurz hinter Herceg Novi. Wir stehen auf einem kleinen Platz direkt am Wasser. Zwischen Wohnwagen und Adria liegen nur wenige Schritte – theoretisch können wir direkt aus der Tür ins Meer springen. Umgeben von Bergen, Sonne im Gesicht, Salz in der Luft, Wasser vor der Tür... abends wunderschöne Sonnenuntergänge und das Plätschern der kleinen Wellen beim Einschlafen.. die ersten Tage in Montenegro tun einfach nur gut.