Sibiu – die Bilderbuchstadt, der unsägliche Campingplatz
und die Straßenhundegang

 

Wir erreichen die Gegend um Sibiu (Hermannstadt) und haben das erste Mal Pech mit einem Campingplatz. Wir sind natürlich darauf gefasst, dass uns während der Reise "Dinge passieren" – schlechte Straßenverhältnisse, unschöne Stellplätze, notwendige Reparaturen. Über letzteres habe ich ja schon ausführlich berichtet, aber wir haben bisher Glück mit Campingplätzen und sogar mit den meisten Straßen. Ich bin der Planungsmensch während unserer Reise, ich recherchiere unsere Routen und Ziele, suche Sehenswürdigkeiten raus, habe die Wetterverhältnisse im Blick, schreibe Campingplätze an, buche Touren, überlege, wie wir am besten fahren. Mit dem Wohnwagen unterwegs sein bedeutet einerseits die große Freiheit zu haben, ihn am Platz abzukuppeln, ein kleines, festes Zuhause zu haben und dann flexibel mit dem Auto herumfahren zu können – zum Einkaufen, in P&Rs, zu Sehenswürdigkeiten, über Serpentinen und Bergstraßen. Andererseits ist das Bewegen von Platz zu Platz immer mit Vorbereitung verbunden. Welche "Hauptrouten" führen durchs Land, gibt es Street View, wie wird das Wetter sein und sind es im Zweifelsfall "schlammanfällige" Straßen, gibt es Berichte in FB-Gruppen, welche Wege sich eignen für ein Gespann und egal wie schön ein Campingplatz liegen mag – gibt es eine Zufahrt die machbar ist?! (Wir werden in den nächsten Wochen immer wieder erfahren, dass "machbar" ein recht dehnbarer Begriff ist und für Menschen was sehr unterschiedliches bedeuten kann :-D ) Wir fahren also nie "drauf los" sondern ich bereite jede Strecke und jeden Campingplatz sehr gut vor. Camping Ananas (so ein harmloser Name für so einen abenteuerlichen Ort) zeigt uns, dass trotz aller Mühe, man nie alles in der Hand hat und es immer anders kommen kann.

 

Der Betreiber, ein wirklich netter junger Typ, versichert uns per Mail, dass er Platz für uns hat und die Anfahrt kein Problem sei. Nachdem wir uns schon mit 2 Litern verlorenem Angstschweiß durch Heltau gekämpft haben (was man natürlich auch nie vorhersagen kann: Baustellen, Umleitungen, Sperrungen) und durch eine geänderte Straßenführung mit dem Wohnwagen plötzlich im Torbogen der Altstadt stehen und uns mit Milimeterarbeit durch die engen Straßen gewurschtelt haben (ich hätte gerne ein Bild davon, wie ich mitten auf der Hauptstraße stehe, den Verkehr anhalte, damit Daniel mit dem Gespann sich unter dem lauten Gehupe der Wartenden aus einer Altstadtgasse wieder auf den Hauptweg schälen kann...) sind wir überzeugt das Schlimmste überstanden zu haben und biegen zuversichtlich Richtung Campingplatz ab... Die Straße ist eine Katastrophe - in der Mitte wölbt sie sich wie ein Rücken, an den Seiten fallen tiefe Spurrillen ab. Man kann nur aufsetzen – mit Wohnwagen UND Auto. Es folgen Schlaglöcher, eine kaum zu nehmende Kurve zum Campingplatz und eine viel zu steile Einfahrt. Das Problem mit einem Gespann ist, dass man nicht einfach umkehren kann. Einmal in eine enge Scheißstraße reingefahren – da hat man den Salat und muss da irgendwie durch. Wir wollen nur noch abkuppeln, aufbauen, hinsetzen, durchatmen. Aber die nächste Herausforderung wartet schon: die Aussage "ich habe Platz für euch und euer Gespann" scheint wohl auch eher Interpretationssache zu sein. Ja, es gibt freie Plätze, aber diese sind allesamt nicht ausgelegt für einen über 7 Meter langen Wagen. Unser Wohnwagen ist bis zur Deichsel 7,13 Meter – also nicht besonders groß, die meisten Wohnmobile sind länger. Aber wir passen nirgendwo hin, die Plätze "unten" sind halbwegs ebenerdig aber zu kurz, die Plätze "oben" sind am Hang, krumm und schief... und eigentlich auch zu kurz. Es scheint 2 passende Plätze zu geben – diese sind bereits belegt und wurden trotz Mailanfrage nicht reserviert. Wir rangieren herum, fahren quer auf den zu kleinen Platz, fahren auf Böcke, fahren wieder runter, fahren auf höhere Böcke und befestigen mit Steinplatten und Holzscheiten. Letzten Endes stehen wir "irgendwie", sitzen auf unseren Stühlen eingefercht zwischen Wohnwagen und der 1 Meter entfernten Hecke und öffnen zur Feier des Tages den Met, den wir in der Kirchburg Tartlau gekauft haben.

 

Unsere Zeit auf Camping Ananas ist ein Auf und Ab. Der "Campingplatzmann" scheint einerseits eine stoische Gleichgültigkeit zu besitzen – die Anfahrtsproblematik und ungenügende Platzgröße tut er mit einem Achselzucken ab, ähnlich sekundär wird die Hygiene bei Toiletten und Duschen betrachtet (ich entscheide mich für Augen zu und durch), andererseits hat er mit viel Liebe eine kleine Bar gebaut, es gibt verschiedene gezapfte (Craft-) Biere, Snacks und eine nette, kleine "Biergartenatmosphäre". Wir lernen Susan und Matthias kennen und verbringen einen sehr gemütlichen Abend miteinander. Matthias macht Musik und erinnert mich ein bisschen an Reinhard Mey. Er hat seine Gitarre dabei und als an der Feuerstelle das große Lagerfeuer eröffnet wird, entpuppt sich auch der gleichgültige Campingplatzmann als geselliger Gitarrist. Alle treffen sich zum singen und spielen – rumänische Volkslieder, amerikanische Klassiker, deutsches Liedgut. So stellt man sich das Reise-Leben vor :-) Camping Ananas lässt uns trotzdem nicht in Ruhe mit seinem "hier-ist-immer-was-anstrengend-Fluch." Gerade ist noch alles harmonisch und entspannt, da endet der Abend für Daniel jäh mit der blöden Anmache durch eine Motorradgruppe, die ihn als Nazis beschimpfen und auf Stress aus sind. Nun gut, wir gehen schlafen. Mein Teil des Fluchs spielt sich dann in der Nacht ab.

Bisher haben wir keine Probleme mit Straßenhunden. Ich war gefasst darauf, dass es die ein oder andere schwierige Situation für mich geben könnte, da ich Angst vor Hunden habe und ihr Verhalten nie einschätzen kann. Zuhause sind mir zu oft Menschen mit der berühmten "der-will-nur-spielen-Haltung" begegnet, die ihre Hunde nicht im Griff haben und ich wurde zu oft angesprungen, angebellt und angeknurrt. Ich bleibe ein Katzenmensch.

Aber natürlich berühren mich die Schicksale der Straßenhunde auf unserer Reise und es bricht einem regelmäßig das Herz, in die vielen traurigen Hundeaugen zu schauen, die einen vom Straßenrand aus anschauen und bettelnd nach Futter fragen. Auf Campingplätzen gibt es meistens einen oder mehrere "Haus- und Hofhunde". Sie sind oft halb wild, ihr Revier ist der Platz, sie werden gefüttert und sie bewachen brav das Areal. In ländlichen Gebieten gibt es immer wieder wilde Rudel, die sich zusammengeschlossen haben, um besser zu überleben. Ich erlebe nun in besagter Nacht das Aufeinandertreffen der Campingplatzhunde mit einem Rudel aus dem Dorf inklusive Revierkampf. Ich bin nachts aufgestanden und noch halbschlafend zum Toilettenhaus gewankt, da geht es los – zum Glück als ich schon in der Kabine bin und diese verriegelt habe. Das zuvor nur aus der Ferne wahrnehmbare Bellen ist innerhalb kürzester Zeit unglaublich laut, ich höre Laufen, Bellen, Knurren, viele Tiere die sich bewegen, immer wieder um das Toilettenhaus rennen. Das Rudel ist in fremdes Revier eingedrungen, die Hofhunde geben alles um ihr Zuhause zu verteidigen. Vielleicht klingt es für die Hundefreund*innen die das hier lesen nicht so dramatisch aber ich sitze in dieser Nacht im dunklen Klohaus, traue mich nicht vor die Tür, immer wieder kommen Hunde hereingelaufen, bellen, rennen wieder raus, verfolgen andere Hunde, kommen wieder... Ich öffne die Tür einen Spalt und spähe hinaus... gibt es in Rumänien wilde Doggen? Ich kenn mich mit Hunderasse nicht aus, aber die Tiere sind riesig! Ich habe mein Handy dabei, versuche Daniel im Wohnwagen anzurufen, aber er hat sein Telefon auf lautlos. Ich warte und warte. Irgendwann schnapp ich mir mein Handy und befrage ChatGPT zum Thema Straßenhunde, Rudelverhalten und lasse die KI einschätzen, ob ich mich wohl aus dem Klohaus wagen kann und wie ich mich zu verhalten habe, wenn ich auf die Tiere treffe. Irgendwann wage ich es. Ich schaue mich nicht um, das Bellen ist nun weiter oben am Platz, ich sehe entfernt viel Bewegung aber schaffe es ohne zu rennen aber mit klopfendem Herzen zurück zum Wohnwwagen. Kurz später treffen die Hunde ein, laufen um den Wohnwagen, bellen weiter laut. Eine tränenreiche Panikattacke, Daniels tröstende Arme und 30 Minuten später habe ich mich wieder beruhigt. Camping Ananas ist der Endgegner.

 

Das Leben der Straßenhunde in Rumänien

Sie gehören hier zum alltäglichen Bild. Vor Supermärkten, auf Feldern oder an einsamen Landstraßen begegnen uns immer wieder Straßenhunde, die um Futter betteln, umherstreifen, im Schatten liegen um der heißen Sonne zu entgehen. Einige von ihnen leben in losen Rudeln zusammen – sie suchen Schutz, teilen sich Beute und durchstreifen die Umgebung gemeinsam, weil sie als Gruppe stärker sind. Manche durchwühlen Müllcontainer, halten sich in der Nähe von Restaurants oder Rastplätzen auf, wo sie hoffen, ein paar Essensreste zu finden. Trotz ihrer Anpassungsfähigkeit ist das Leben dieser Hunde hart. Sie sind auf sich allein gestellt, leiden oft an Krankheiten oder Verletzungen und bringen immer wieder Nachwuchs zur Welt, für den niemand sorgen kann. Zwar besteht in Rumänien eine gesetzliche Kastrationspflicht, doch sie wird kaum kontrolliert oder konsequent umgesetzt. Die meisten Tiere bleiben fortpflanzungsfähig, und so werden jedes Jahr viele Tausend Welpen geboren, die niemand haben will. Dasselbe gilt für Katzen – für sie existiert nicht einmal eine gesetzliche Pflicht zur Kastration.

Der rumänische Staat setzt seit Jahren auf ein System, das als „Catch & Kill“ bekannt ist: Hunde werden eingefangen, in staatliche Tierheime gebracht und dort oft nach kurzer Zeit getötet, wenn sie nicht adoptiert werden. Dieses Vorgehen geht auf das sogenannte „Tötungsgesetz“ von 2014 zurück, das nach dem Tod eines kleinen Jungen bei einem umstrittenen Beißvorfall verabschiedet wurde. Seitdem erhalten Kommunen finanzielle Prämien für das Einfangen und Töten der Tiere – ein System, das die grausame Industrie eher fördert, anstatt das Problem zu lösen. Allein in Bukarest sollen seit Inkrafttreten des Gesetzes über 50.000 Hunde eingefangen und rund 30.000 getötet worden sein. Wie viele Tiere tatsächlich auf den Straßen leben, weiß niemand genau. Gesetzlich vorgeschriebene Zählungen wurden nie flächendeckend durchgeführt, und die offiziellen Tierheime erfassen nur die Zahlen der Hunde, die sie einfangen, vermitteln oder einschläfern.

Zwar zeigen Kastrationsprogramme von Tierschutzorganisationen erste Erfolge – in manchen Regionen gehen die Zahlen langsam zurück –, doch die staatliche Unterstützung bleibt gering. Statt langfristige und tiergerechte Lösungen zu fördern, wird weiterhin Geld mit dem Töten verdient. Die Corona-Pandemie hat die Situation zusätzlich verschärft: Viele Menschen leben in Rumänien am Existenzminimum und konnten ihre Tiere nicht mehr versorgen, einige wurden ausgesetzt, andere vermehrten sich unkontrolliert, weil die Kastrationskosten nicht getragen werden können.

 

Und doch gibt es Hoffnung: Immer mehr Vereine und engagierte Helfer*innen vor Ort setzen auf Aufklärung, Kastration und Adoption. Durch sie sinkt die Zahl der herrenlosen Hunde allmählich, zumindest dort, wo nachhaltige Programme greifen. Es sind kleine Schritte – aber sie bedeuten für jedes einzelne Tier einen Unterschied.

Eine dieser tollen und unterstützenswerten Organisationen ist "Romania Animal Rescue" – eine gemeinnützige Organisation, die sich der Verbesserung der Lebensbedingungen von Hunden und Katzen in Rumänien widmet. Sie konzentriert sich auf vier Kernbereiche: Kastrationen zur Reduzierung der Straßenpopulation, Tierpflege durch ihr "Center of Hope"-Krankenhaus, veterinärmedizinische Aus- und Weiterbildung für rumänische Tierärzte sowie Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung. Ziel ist es, die Anzahl heimatloser Tiere zu verringern und ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen.

In Rumänien sind die staatlichen Tierheime (Public Shelters) leider in vielen Fällen keine sicheren Orte für Tiere. Sie sind oft überfüllt, es fehlt an medizinischer Versorgung, und durch das „Catch & Kill“-System profitieren die Einrichtungen finanziell davon, möglichst viele Hunde einzufangen – nicht davon, sie zu kastrieren oder zu vermitteln.

Private, gemeinnützige Organisationen wie Romania Animal Rescue oder Millions of Friends (ihr erinnert euch – die Organisation, die auch das Bären Sanctuary betreibt und sich ebenfalls für Straßentiere einsetzt) verfolgen dagegen einen nachhaltigen und tiergerechten Ansatz. Unterstützung für solche Vereine trägt also direkt dazu bei, langfristig Leid zu verhindern und die Situation zu verbessern. Wer helfen möchte, sollte private Tierschutzorganisationen wie Romanian Animal Rescue unterstützen.




Sibiu - Hermannstadt 

 

Sibiu war einst das Oberzentrum im wichtigsten Siedlungsgebiet der Siebenbürger Sachsen und Sitz des größten Verwaltungsbezirks, des sogenannten Hermannstädter Stuhls. Schon im 12. Jahrhundert erreichen die ersten deutschen Siedler*innen die Gegend und lassen sich auf einem Hügel über dem Fluss Zibin nieder – dort, wo sich heute die Oberstadt erhebt.

Begünstigt durch ihre Lage an alten Handelswegen entwickelt sich die Siedlung rasch zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum, das im Mittelalter durch starke Mauern und Türme geschützt wird. Hermannstadt gilt damals als die am besten befestigte Stadt des Königreichs Ungarn – mit drei Mauerringen und 39 Türmen, die selbst den Angriffen der Osmanen standhalten. Die Stadt wird im 15. Jahrhundert von Papst Eugen IV. als „Mauer und Schild der Christenheit“ bezeichnet – nachdem die Stadt sich 1442 erfolgreich gegen den Einfall der türkischen Truppen gewehrt hatte. Dieser Ehrentitel unterstreicht die militärische Bedeutung, die Hermannstadt als Bollwerk gegen das Osmanische Reich hatte.

Im Laufe der Jahrhunderte wandelt sich Hermannstadt vom sächsischen Machtzentrum mit eigener Verwaltung zu einer multikulturellen Stadt, in der Deutsche, Rumänen und Ungarn nebeneinander leben. Nach dem Anschluss Siebenbürgens an Rumänien 1919 verliert die deutsche Bevölkerung zwar nach und nach ihre Mehrheit, doch der sächsische Geist prägt das Stadtbild bis heute – in den Gassen, Plätzen und Kirchen ebenso wie in der Architektur.

  

Sibiu ist eine Bilderbuchstadt - alles ist einfach hübsch! Wir schlendern durch eine wunderschöne Altstadt und die Straßen sind gefüllt mit Tourist*innen, Menschen die vom Einkaufen kommen, es gibt Verkaufsstände, Straßenmusik, Eiswagen, viel Gastronomie und schön restaurierte Fassaden. Auf dem Großen Ring, der Piața Mare, liegt das Herzstrück und historische Zentrum. Hier öffnet sich ein weiter Platz, gesäumt von farbenfrohen Barockhäusern, Cafés und historischen Gebäuden. Es ist heute sehr heiß und die Sonne knallt auf den Platz und auf unsere Köpfe. Wir halten es nicht allzu lange ohne schattenspendende Bäume aus. Aber bevor wir in die kleineren Gassen weiterziehen bewundern wir die charakteristischen Häuser mit den „Augen“ in den Dächern, die einst als Belüftung dienten und heute wie Wächter über den Platz blicken. Man liest es in jedem Reiseführer und trotdem wirkt es nochmal ganz anders, wenn man dort steht und tatsächlich die verschiedenen "Augen" entdeckt, die mal weit geöffnet, mal mit schweren Lidern übder den Piața Mare schauen. 
Wir halten noch kurz an der Statue von Gheorghe Lazăr (1779–1823). Er war ein bedeutender rumänischer Gelehrter, Lehrer und Aufklärer und gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der frühen rumänischen Bildungs- und Kulturgeschichte. Er wurde in Avrig, unweit von Sibiu, geboren, studierte Theologie, Philosophie und Ingenieurwesen in Wien und kehrte später nach Rumänien zurück, wo er sich besonders für die Bildung in rumänischer Sprache einsetzte – zu einer Zeit, als der Unterricht noch überwiegend auf Latein oder Griechisch stattfand. Sein größtes Verdienst ist die Gründung der ersten Schule mit Unterricht in rumänischer Sprache in Bukarest (1818). Damit legte er den Grundstein für die moderne rumänische Bildung und inspirierte zahlreiche Intellektuelle.

Bevor wir zum Kleinen Ring (Piața Mică) mit seinen schmalen Häusern und lauschigen Terrassen kommen fotografieren wir noch eine weiter Siebenbürger Persönlichkeit: die Statue von Samuel von Brukenthal (1721–1803). Er war Gouverneur von Siebenbürgen im Habsburgerreich und zugleich ein leidenschaftlicher Kunst- und Büchersammler. Brukenthal stammte aus einer sächsischen Familie und machte in Wien Karriere, wo er am kaiserlichen Hof Maria Theresias diente. Nach seiner Rückkehr nach Hermannstadt ließ er sich einen prächtigen Stadtpalast erbauen – den heutigen Brukenthal-Palast, in dem sich das Brukenthal-Museum befindet. Dieses Museum ist eines der ältesten in ganz Südosteuropa und geht auf seine private Sammlung zurück: Gemälde, Bücher, Münzen, Handschriften und wertvolle Möbelstücke. Samuel von Brukenthal gilt als Symbolfigur der aufgeklärten Bildung und Kunstförderung in Siebenbürgen.

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten ist die Lügenbrücke – die erste gusseiserne Brücke Rumäniens. Der Legende nach soll sie unter jeder Lüge, die man auf ihr ausspricht, erbeben oder gar zusammenfallen.

 

Wer den Blick über die Stadt schweifen lassen möchte, steigt auf den Turm der evangelischen Stadtpfarrkirche. Von hier aus reicht die Aussicht über die roten Dächer, den Großen Ring und bis zu den fernen Karpaten. Das Zusammenspiel aus gotischer, barocker und mittelalterlicher Architektur macht Sibiu zu einem Ort, der zugleich eindrucksvoll und gemütlich wirkt.

Wir schlendern durch die Strada Cetății, sie war ursprünglich Teil der dritten Befestigungsanlage im Mittelalter und diente entlang der Mauern als Verbindung zwischen den Verteidigungstürmen. Noch heute sind mehrere alte Wehrtürme sichtbar, darunter der Zimmermannsturm, der bereits im 14. Jahrhundert errichtet wurde. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Straße weiter: Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie mit vielen neuen Häusern bebaut und trägt heute den Namen „Strada Cetății“ – wörtlich „Straße der Zitadelle“ oder „Festungsgasse“.

Sibiu gilt als eine der kulturell aktivsten Städte des Landes. Seit der Ernennung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2007 hat sich hier eine lebendige Kunst- und Musikszene entwickelt. Im Sommer verwandeln sich Plätze und Innenhöfe in Bühnen, und es gibt ein buntes Angebot von Jazz, Klassik über Theater und Straßenkunst.