Camping Lake Shkodër - Von Resorts, Restaurants und Rechnungen
Unser erster Campingplatz in Albanien ist Lake Shkodra Resort. Für uns ist das letzte Wort recht abschreckend – wenn wir etwas auslassen in unseren Urlauben und auf dieser Reise, dann sind es Plätze mit „Resort“ im Namen. Alles, was wir damit verbinden, ist: groß, laut, Animation, deutsche Camper mit mindestens 2 bis 4 Kindern, Poollandschaft, Rutschen, Brötchenservice, Supermärkte, Discoabend. Versteht mich nicht falsch – das ist für viele Menschen ein Träumchen und es kann sicherlich das Passende sein, wenn man mit seinen Kids und dem Wohnmobil in einer Art Campingdorf sein möchte, wo man sich um recht wenig kümmern muss, alles an Infrastruktur vor Ort ist und man beliebig zwischen Poolliege, Kinderanimation und Campingplatzrestaurant wechseln kann. Für mich irgendwie wie All-Inkl-Hotelurlaub, nur ohne Hotel – und noch teurer. Denn das hat mittlerweile wirklich absurde Züge angenommen. In großen Resorts liegt man mit Wohnwagen oder Wohnmobil, 2 Erwachsene, 2 Kinder, inkl. Strom in der Nebensaison bei 80 bis 100 Euro pro Nacht, in der Hauptsaison bei 120–160 Euro pro Nacht. Und man schläft nicht in einem luxuriösen 2-Meter-Hotelbett, sondern im eigenen Camper, muss trotzdem mit der Hand spülen, geht auf Campingplatztoiletten und zahlt für die Nutzung der Waschmaschine noch einmal 6 Euro. Für mich erschließt sich das System nicht so ganz, aber ja, unsere Bedürfnisse sind natürlich auch völlig anders. Wir lieben es, wenn Plätze nicht überlaufen sind, wir haben keine Kinder und müssen uns nach keinen anderen Bedürfnissen richten als nach unseren eigenen. Wir brauchen keine Supermärkte auf dem Campingplatz, wir haben ein Auto, sind flexibel, kaufen gerne da ein, wo die Einheimischen ihre Lebensmittel holen. Natürlich gehen wir gerne mal in den Pool, wenn einer da ist, aber 100 Mal lieber ist uns ein Strand, wo wir uns mit Decke und Handtüchern niederlassen und auf die Wellen schauen können.
Also: Lake Shkodra Resort. Für die einen der beste Campingplatz Albaniens, weil ordentlich, sauber, strukturiert, Lage am See. Für die anderen zu wenig authentisches Feeling, grummelige deutsche „Gartenzaun-Nachbarn“ und mehr Golfrasen als Campingplatz. Unsere Meinung liegt irgendwo dazwischen. Ein „richtiges“ Resort ist es nicht. Es gibt kein Programm, keine Rutschen und keinen Lärm. Ein wenig lustig finden wir die perfekt gestutzte Rasenfläche schon, und das Kopfkino, wie hier Leute ihre Golfausrüstung hervorholen, ist naheliegend. Aber es wäre gelogen, wenn wir behaupteten, dass uns ein Platz mit neuer Infrastruktur, sauberen Toiletten, leichter Anfahrt, gutem Restaurant und schönem Ausblick nicht gefallen würde. Jetzt, wo ich das schreibe, würde ich mich sofort dorthin zurückbeamen (ich weiß nicht, wann ich die letzte Toilette mit Klobrille gesehen habe oder in einer gekachelten Dusche mit ordentlichem Abfluss stand …).
Für das Ankommen in Albanien ist der Platz jedenfalls perfekt. Man merkt auch hier deutlich die Nachsaison – es gibt zwar viele belegte Parzellen, aber im begehrten vorderen Bereich mit Blick auf den See ist noch genug frei und wir stehen traumhaft schön. Wir genießen jeden Abend die schönsten Sonnenuntergänge, die Nähe zum See, der mal blau vor uns glitzert und an anderen Tagen durch den Wind aufgepeitscht wird und mit den Bergen im Hintergrund ein ganz anderes, raues Gesicht zeigt. Das Restaurant, das direkt am Campingplatz liegt, ist sehr gut, und wir gehen jeden Abend essen, weil es nicht nur besonders lecker, sondern auch günstig ist – wir bezahlen umgerechnet 30 Euro für einen Tisch voller Leckereien – inkl. gegrilltem Tintenfisch und Cocktails.
Wir versuchen unterwegs meist im Vorfeld zu recherchieren, wie es in einem Land mit dem Thema Trinkgeld gehandhabt wird: Wird es überhaupt erwartet, und wenn ja, in welcher Größenordnung? Dabei zeigt sich immer wieder, dass es ein schmaler Grat sein kann. Einerseits möchte man Anerkennung für guten Service und tolles Essen zeigen und ein Trinkgeld geben – nicht weil man es sich leisten kann, sondern weil man die Arbeit und die Küche wertschätzt. Andererseits besteht gerade in Ländern, in denen die Preise für uns als Nordwesteuropäer*innen vergleichsweise niedrig erscheinen, die Gefahr, unbeabsichtigt überheblich zu wirken. Ein zu großzügig gemeintes Trinkgeld kann dann schnell als Geste missverstanden werden, mit der man sich gewissermaßen arrogant über die lokale Preisstruktur erhebt. Nach einem ausgesprochen guten Essen wollte ich beispielsweise in Palermo einige Euro Trinkgeld geben – und innerhalb weniger Sekunden war durch die Reaktion klar, dass diese Geste als unpassend oder sogar respektlos empfunden wurde. Ich konnte mich nur entschuldigen und erklären, wie gut ich das Essen fand. (Mal zwei Sekunden nicht nachgedacht … natürlich kenne ich das Coperto in Italien, aber ich wusste nicht, dass in einigen Gegenden dies schon „ausreicht“ / kein zusätzliches Trinkgeld erwartet wird. Kleiner Geschichtsfact: Der Begriff „Coperto“ stammt historisch vom „gedeckten Tisch“ – also von der Bereitstellung von Besteck, Brot, Tischdecke und Service am Tisch. Ursprünglich entstand diese Praxis bereits im Mittelalter in Gasthäusern, als Reisende ihre eigenen Speisen mitbrachten und nur für das Gedeck sowie den Platz bezahlten. Heute ist es eine feste Restaurantgebühr, meistens 1-3 Euro.)
Jedenfalls merkt man in solchen Momenten, wie stark kulturelle Gepflogenheiten voneinander abweichen können.
Ab und zu hören wir im Gespräch mit anderen Reisenden von weniger angenehmen Erfahrungen. Ein wiederkehrendes Phänomen besteht darin, dass Mitarbeitende in Restaurants oder Bars gewissermaßen selbst ein Trinkgeld festlegen. Die Rechnung lautet beispielsweise auf 23,80 Euro, beim Bezahlen werden jedoch direkt 30 Euro verlangt – mit der impliziten Erwartung, dass der Rest als Trinkgeld gedacht ist. Uns selbst ist so etwas einmal in Montenegro passiert; in diesem Fall habe ich jedoch interveniert. Ein weiteres Problem, das wahrscheinlich viele Reisende kennen, sind Speisekarten ohne Preise. Man bestellt etwa einen Gin Tonic in der Annahme, dass er kaum mehr als zehn Euro kosten dürfte – und wird am Ende mit einer Rechnung von dreißig Euro konfrontiert. Eine solche Erfahrung haben wir selbst bislang nicht gemacht, was vermutlich auch daran liegt, dass ich einen kleinen … nun ja … Planungszwang habe. Ich recherchiere gerne und viel – nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern auch Restaurants, Streetfoodstände und Supermärkte. Ich lese Rezensionen, schaue, ob dort eher Einheimische essen gehen und ob es lokale Gerichte gibt. Meist markiere ich verschiedene Optionen, und dann schauen wir vor Ort, auf was wir Lust haben. Für die ein oder andere mag sich das unspontan und stressig anhören. Ich würde immer sagen, es hat etwas mit der großen Liebe zu gutem Essen zu tun. So oft gönnen wir uns einen Restaurantbesuch nicht, und wenn, dann freue ich mich über leckere, authentische Gerichte. (Eine einfachere Regel hat Waddy mal abgeleitet: Geh nie in einer Tourigegend in ein Restaurant mit nur bunten großen Bildern auf der Speisekarte.)
Zurück zu unserem wunderschönen Nicht-Resort Resort. Hier werden wir einige Tage die Sonne, besagtes tolles Restaurant und den Seeblick genießen, die Burg Rozafa erkunden und erste kleine Eindrücke in Albanien sammeln, bevor es weiter ins trubelige Tirana geht.
Burg Rozafa
Die Burg Rozafa erhebt sich auf einem markanten Hügel südlich von Shkodra. Schon aus der Ferne wirkt die Anlage wie ein natürlicher Aussichtspunkt über die gesamte Region. Der Hügel liegt genau dort, wo drei Flüsse zusammentreffen: Buna, Drin und Kir. Gleichzeitig öffnet sich der Blick über die Ebene bis zum Shkodrasee. Strategisch lässt sich die Lage kaum besser denken – und genau deshalb wurde dieser Ort über viele Jahrhunderte hinweg immer wieder befestigt.
Archäologische Funde zeigen, dass der Hügel bereits in der antiken Illyrerzeit genutzt wurde. Im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. war Shkodra ein wichtiges Zentrum des illyrischen Königreichs der Ardiaei. Besonders bekannt wurde die Region unter König Agron und später unter Königin Teuta, deren Machtbereich sich über große Teile der Adriaküste erstreckte.
Im Illyrischen Krieg gegen Rom spielte Shkodra eine zentrale Rolle. Nachdem die Römer im Jahr 168 v. Chr. den illyrischen König Genthios besiegt hatten, wurde die Region in das römische Herrschaftssystem integriert. Auch unter römischer Verwaltung blieb der Ort aufgrund seiner Lage ein bedeutender militärischer und wirtschaftlicher Knotenpunkt.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Festung mehrfach erweitert und umgebaut. Teile der heute sichtbaren Mauern stammen aus der mittelalterlichen Zeit, insbesondere aus der Periode der venezianischen Herrschaft. Venedig kontrollierte Shkodra im 14. und 15. Jahrhundert und verstärkte die Anlage massiv, um die Stadt gegen das expandierende Osmanische Reich zu sichern.
Eine der wichtigsten historischen Episoden ereignete sich während der Belagerung von Shkodra 1478–1479. Osmanische Truppen griffen die Stadt über Monate hinweg an. Die venezianische Garnison verteidigte die Festung lange erfolgreich, musste sie schließlich jedoch nach dem Frieden zwischen Venedig und dem Osmanischen Reich aufgeben. Danach blieb Rozafa über mehrere Jahrhunderte Teil der osmanischen Grenzbefestigungen. Mit dem Wandel der Kriegstechnik verlor die Anlage später ihre militärische Bedeutung.
Heute wirkt die Burganlage wie eine Mischung aus Ruinenlandschaft, Aussichtspunkt und historischem Gelände. Innerhalb der Mauern liegen Reste alter Gebäude, Zisternen, Fundamente von Wohnhäusern sowie eine kleine Kirche, die später zur Moschee umgebaut wurde – ein architektonisches Zeugnis der wechselnden Herrschaften.
Mal wieder machen wir viel zu viele Fotos. Ich nenne es das „Delphi-Problem“, denn Delphi ist der perfekte Ort, der dieses Phänomen beschreibt: Man erschließt sich nach und nach die Sehenswürdigkeit, erklimmt und erkundet viele Ebenen, und mit jedem getanen Schritt eröffnet sich ein neuer Ausblick, eine neue Perspektive. Man staunt, genießt, nimmt es auf – und macht wieder ein Foto. Der Endgegner ist dann das wechselnde Licht: Wenn man nämlich endlich oben angekommen ist und zufrieden seine hundert Bilder gemacht und alle Ausblicke eingefangen hat, steigt man wieder ab – und tataaa: Alles sieht plötzlich wieder anders aus. Die Nachmittagssonne hüllt alles in viel wärmeres Licht, und die Stimmung ist eine ganz andere. Und man fängt wieder an, die gleichen Fotos noch einmal zu machen.
Ein Alptraum beim Aussortieren der Bilder.
Zum Glück teilen Daniel und ich die Leidenschaft für viele Fotos. Für euch als Leser*innen mag es hier und da vielleicht zu viel sein. Aber dieser Blog bleibt eine Mischung aus zwei Dingen: Einblicke für euch – und für uns eine Möglichkeit, Erinnerungen genau so festzuhalten, wie wir sie erlebt haben – mit hunderten Ausblicken, Perspektiven und Stimmungen.