Festung Golubac – Flipflop-Touristen verboten
Schon von Weitem erblickt man diese imposante Festung. Golubac liegt spektakulär am serbischen Ufer der Donau, genau dort, wo sie sich kurz darauf verengt und der Eingang zur berühmten Schlucht des Eisernen Tores beginnt. Aber hier wirkt die Donau noch extrem breit, als würde man auf einen riesigen See schauen und nicht auf einen Fluss. Die Felsen und Berge der Umgebung sind wunderschön; schon der Weg nach Golubac am Ufer entlang ist eine Sehenswürdigkeit für sich.
Die Geschichte der Festung reicht bis ins Mittelalter zurück. Errichtet wird sie vermutlich im 14. Jahrhundert, doch schon zuvor existieren hier Befestigungen. Golubac wechselt im Laufe der Zeit mehrfach den Besitzer: serbische Herrscher, das Königreich Ungarn und das Osmanische Reich kämpfen immer wieder um die Kontrolle dieses Donauübergangs. Wer Golubac beherrscht, kontrolliert den Schiffsverkehr – früher werden hier sogar Ketten über den Fluss gespannt, um Durchfahrten zu blockieren und Zölle zu erzwingen. Die Festung ist damit weniger romantische Ritterburg als vielmehr militärisches Machtinstrument.
Der Aufbau der Anlage folgt konsequent der Topografie. Insgesamt zehn Türme schmiegen sich an die steilen Felsen. Unten, direkt am Wasser, stehen massive Rund- und Vierecktürme; weiter oben sind die Wege schmal und steil – teils direkt am Felsen entlang.
Wir müssen am Eingang schmunzeln. Schon zuvor habe ich im Internet gelesen, dass man festes Schuhwerk tragen muss, wenn man die Festung besuchen möchte. An der Kasse stehen nun Schilder, dass Sandalen, kurze Röcke und Schuhe mit Absatz verboten sind. Was soll ich sagen – gegen die Dummheit der Menschen kommt man nur mit Regeln an. Wir klettern schon seit so vielen Jahren durch „Steine“ – Ruinen, Ausgrabungen, Burgen und Felsen. Und was begegnet einem immer wieder: Menschen, die mit Flip-Flops durch Delphi rutschen, Pumps tragende Frauen, die eher für eine Preisverleihung gekleidet sind und nicht für einen Ausflug in der Natur, Männer, die sich selbst überschätzen und mit Badelatschen alle Wege "mit links“ schaffen. Wer sich mit Bergsteigen und Wanderrouten in hohen Lagen auskennt, kann wahrscheinlich erst recht ein Lied davon singen. Immer mehr Social-Media-Opfer sitzen auf Bergen fest, weil sie ohne adäquate Ausrüstung losziehen und denken: „Ach, die Zugspitze, das schaff ich mit meinen Sneakern und meinem iPhone im November an einem Samstagnachmittag.“ Also halt Verbote, um der Dummheit Herrin zu werden.
Hier in Golubac werden die Wege in verschiedene Zonen geteilt – man kann vorher sehen, welche Bereiche einfach zu erkunden sind und welche Pfade unwegsam, steil und nur mit guter Kondition zu schaffen sind. Wir bleiben im „leichten Bereich“ und merken im Innenhof der Burg, dass wir uns richtig entschieden haben. Die „Wege“, die zu einigen Türmen hinaufführen, sind keine echten Wege, sondern eher befestigte Seile am glatten Felsen, an denen man sich nach oben entlanghangelt. Das Gute daran: Es wurde nicht zu viel am Originalfelsen verändert, keine künstlichen Wege angelegt, und man kann sich an der authentischen, imposanten Kulisse erfreuen.
Die Mauern, Treppen und Wehrgänge verbinden die einzelnen Ebenen miteinander; alles wirkt kompakt, funktional und auf Verteidigung ausgelegt. Die Lage ist dabei so geschickt gewählt, dass Angreifer*innen sowohl vom Fluss als auch vom Land aus unter Kontrolle gehalten werden können.
In den Innenräumen gibt es die obligatorische Ausstellung zur Geschichte, zu Fundstücken und Anekdoten aus vergangenen Zeiten. Interessant ist dabei die Geschichte von Cecilie Rozgonyi: Während der gescheiterten Belagerung von Golubac im Jahr 1428 tritt sie in den Vordergrund. Die Festung wird zu diesem Zeitpunkt von osmanischen Truppen gehalten und von einem ungarischen Heer unter König Sigismund von Luxemburg belagert, das die Kontrolle über diesen strategisch wichtigen Donauabschnitt zurückgewinnen will. In einer Zeit, in der Frauen nur selten aktiv in militärische Auseinandersetzungen eingebunden sind, greift Cecilie Rozgonyi in die Geschehnisse ein. Sie leitet eine Rettungsaktion auf der Donau und befehligt dabei ein Schiff mit bewaffneter Besatzung. Auf diese Weise werden ungarische Soldaten und Verwundete evakuiert, die nach dem Scheitern der Belagerung in Gefahr geraten.
Kloster Tumane
Das Kloster Tumane liegt unweit von Golubac, aber landeinwärts, eingebettet in bewaldete Hügel und abseits größerer Verkehrsachsen. Die Lage ist sehr schön, der Weg wenig befahren und führt durch kleine Örtchen und eine idyllische Landschaft. Umso schockierter sind wir, als sich die Anfahrt zum Kloster auftut: ein riiiiesiger Parkplatz, Reisebusse, eine Art Hotelanlage in unmittelbarer Nähe. Nichts mit Spiritualität und Sinnsuche – eher die Infrastruktur für Massenpilgerschaft.
Das Kloster geht vermutlich auf das 14. Jahrhundert zurück. Die heutige Anlage ist das Ergebnis mehrerer Restaurierungsphasen, besonders intensiv seit dem 20. Jahrhundert, als das Kloster an Bedeutung gewann.
Tumane ist vor allem als Wallfahrtsort bekannt. Im Zentrum stehen die Reliquien zweier orthodoxer Heiliger: des heiligen Zosimus von Tumane, eines asketisch lebenden Einsiedlers, dem Wunderheilungen zugeschrieben werden, sowie des heiligen Jakovos von Tumane. Dieser serbisch-orthodoxe Mönch, der heute als Heiliger verehrt wird, war ursprünglich Doktor der Philosophie und des Rechts. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet er ins Visier der jugoslawischen kommunistischen Behörden. 1945 wurde er erstmals verhaftet und gefoltert, um ihn zur Aufgabe seiner religiösen Überzeugungen zu zwingen. 1946 verteilte er gedruckte Exemplare des Vaterunsers an Reisende am Bahnhof von Požarevac. Kurz darauf wurde er von Mitgliedern des jugoslawischen Geheimdienstes auf offener Straße brutal angegriffen und zusammengeschlagen. An den Folgen seiner Verletzungen starb er wenige Tage später. Obwohl er dem Kloster Žiča angehörte, wurde er auf eigenen Wunsch im Kloster Tumane beigesetzt.
Tumane steht exemplarisch für die Wiederbelebung religiöser Praxis im heutigen Serbien. Nach Jahrzehnten sozialistischer Prägung erlebt die serbisch-orthodoxe Kirche seit den 1990er-Jahren eine deutliche Renaissance. Das Kloster ist Teil dieser Entwicklung und fungiert für viele Serb*innen zugleich als Ort religiöser Praxis wie auch als Projektionsfläche für Sinnsuche, Heilung und Orientierung in einer als krisenhaft wahrgenommenen Gegenwart.
Als wir ankommen ist das Kloster gut besucht. Eine lange Schlange hat sich vor dem Eingang der Kirche gebildet – und für uns ist es ein bisschen zu trubelig und wir beschließen nur das Außengelände anzuschauen, den schön angelegten Garten mit eigener Imkerei, der Honig wird im Klosterladen verkauft. Entlang des Weges passiert man zahlreiche schöne Mosaikbilder, die Szenen aus dem ländlichen Alltag zeigen. Sie stellen Tätigkeiten wie Brotbacken oder Handarbeit dar und verbinden religiöse Symbolik mit einfachen, lebensnahen Motiven.