Albanische Campinggeschichten 

und ein Rückblick bevor es Richtung Griechenland geht. 


Seit unserem unsäglichen Aufenthalt auf Camping Ananas in Rumänien haben wir zum Glück keine zu abenteuerlichen Plätze mehr besucht. Und nachdem wir auf dem luxuriösen Shkodra Resort gechillt und im wunderschönen Tirana Camping Granatäpfel gepflückt haben, stehen wir nun mit wundervollem Blick aufs Meer in einer Bucht vor Vlora – es heißt auch ganz einfach "Camping Vlora" :-) Silke und Jochem sind schon ein paar Tage vor uns aus Tirana abgereist, haben noch Kruja (Kruuuja) mitgenommen und sind bereits 2 Tage auf Camping Vlora. Als neben ihnen ein Platz frei wird und klar ist, dass wir heute kommen, sichert uns Silke den Luxusplatz am Wasser. Wir sehen uns also ein drittes und vorerst letztes Mal und verbringen noch schöne gemeinsame Stunden mit Geschichtenaustausch, Pizzaessen und Silke und ich nutzen die Zeit natürlich auch noch für einen ausführlichen Spiele-Nachmittag (auch hier kommen wieder neue Ideen auf die Merkliste und mittlerweile sind wir im Besitz von "Next Station London", das ich hier kennengelernt habe :-) ). Wir werden uns auf jeden Fall in Deutschland wiedersehen und ein Besuch in Bonn ist fest eingeplant, und das nicht nur, weil wir noch einige Dinge bei den beiden abholen müssen. Silke und Jochem hatten noch Kapazitäten in ihrem Wohnmobil und waren so lieb, uns anzubieten, überflüssige Sachen von uns mit nach Deutschland zu nehmen. Wie toll! Ihr müsst euch vorstellen, dass eine der größten Herausforderungen beim Reisen mit Wohnwagen das Gewicht ist. Wie schon an anderer Stelle zu Beginn der Reise erwähnt: Wir haben zuhause jedes Kleidungsstück gewogen, überlegt, welcher Pulli und welche Jacke sich lohnt, welches Werkzeug wir brauchen, gönnen wir uns Bücher und Reiseführer in Papierform? Und was muss wieder ausgeräumt werden, weil es einfach zu schwer ist? Wir sind vor unserem Aufbruch auf die Waage gefahren und lagen knapp unter unserem Limit. Jetzt, viele Monate später, könnte ich natürlich eine optimierte Liste erstellen und weiß, was sich gelohnt hat mitzunehmen, was überflüssig war und was dann doch gefehlt hat. Aber so ist das – man gewinnt diese Erkenntnisse erst, wenn man unterwegs ist. Jedenfalls stellte sich nach und nach heraus, dass einige Dinge entweder überflüssig waren oder ihren Zweck schon erfüllt hatten (wie z. B. meine zahlreichen Reiseführer für die Balkanstaaten). Wegschmeißen möchte man all das natürlich auch nicht, und so fährt man den Kram weiter in der Gegend herum. Darum waren wir sehr erfreut, als sich die Möglichkeit eröffnete, unseren Reisefreunden Tüten mit Kram in die Hände zu drücken und den freudigen Gedanken zu haben, nicht nur unsere Sachen wiederzusehen, sondern die beiden im nächsten Jahr zu besuchen.

 

Camping Vlora scheint eine beliebte Anlaufstelle zu sein für alle Reisenden, die sich an der albanischen Küste Richtung Griechenland hangeln. In den spätsommerlichen Monaten soll der kleine Platz sehr voll sein. Während unserer Tage war alles entspannt, immer mal wieder kamen und gingen andere Reisende und es gab nette Unterhaltungen und Erfahrungsaustausch. Wie es so ist: beim Spülen, Wäschewaschen oder Grauwasser entleeren kommt man ins Gespräch, hört woher andere kommen, wohin sie wollen, wie lange sie reisen. Langsam nähern wir uns der Wintersaison und die "Urlauber" werden weniger. Man merkt, dass vermehrt Menschen nach Griechenland unterwegs sind und, wie wir auch, dort überwintern wollen. Auf Camping Vlora hatten das Glück, noch einige warme Tage zu genießen, und ich konnte sogar noch im Meer schwimmen. Der Blick aus dem Wohnwagen in die Bucht war wunderschön, und außer den Wellen hörten wir nur hin und wieder das lustige Kluckern der Truthähne. Wie schon in meinem Eingangstext über Albanien geschrieben, sind Truthähne und Truthühner hier sehr beliebte Nutztiere und man sieht sie häufig in Gärten, um Häuser herum und sogar in großen Gehegen auf Feldern. Hier auf dem Campingplatz sorgten sie auf jeden Fall für einige Unterhaltung, vor allem beim Erklimmen von Campingtischen und Stühlen. Ganz schön groß, so ein Truthahn ;-)

 

Nach Camping Vlora haben wir noch 2 Stopps in Albanien geplant. Daraus werden dann eher 1 ½, denn wir verbringen beim nächsten Platz nur eine unruhige Nacht und holpern dann weiter: Mal wieder entpuppt sich eine "machbare" Straße als … na ja … sagen wir einfach ein Offroad-Alptraum aus Matsch, Steigung, Löchern und Bodenwellen, die einem liebend gern das Heck abreißen wollen.

Der Campingplatz Parknight (ja, er heißt ähnlich wie die bekannte App) in der Nähe des kleinen Dorfes Piqeras liegt eigentlich wunderschön. Man passiert beim Weg zum Meer zwar einige Häuser- und Scheunenruinen, die bei näherer Betrachtung ein paar wilden Kühen als Unterschlupf dienen und es gibt noch sehr fragwürdige Kabelage an eingen bewohnten und nicht-bewohnten Häusern zu entdecken, aber wir mögen ja lost places. Nach 3 Minuten Fußweg ist man in einer schönen Bucht, und in der Hauptsaison scheint es hier Restaurants und Strandbars zu geben. Auf der anderen Seite schaut man auf die Berge, durch den Platz selbst fließt ein Bachlauf und der junge Betreiber Kevin ist ein zuvorkommender Gastgeber. Zur Begrüßung gibt es in der selbstgezimmerten Bar erst mal einen Kaffee. Er hat einige Jahre in Frankfurt gelebt und spricht sogar noch etwas Deutsch. Alles ist liebevoll hergerichtet, wir lieben diese Mischung aus buntem DIY-Style, schöner Lage, lockeren Menschen. Wie schon so oft erwähnt: Leider können wir uns nicht immer auf Aussagen und Bewertungen verlassen, die Leute mit Vans oder 4-Rad-Antrieb verfasst haben, bzw. frage ich mich immer wieder, warum man nicht mal eine objektive Einschätzung von relevanten Punkten wie Zufahrt und Lage geben kann. Auch bei Parknight bin ich mir aufgrund der schönen Bilder und positiven Bewertungen sicher: "Das wird schon", denn die Straße wird als "leicht holprig, aber machbar" beschrieben. Für wen? Safarifahrzeuge, Jeeps, Range Rover? Auf jeden Fall nicht für ein Wohnwagengespann. Zugegeben, ein bisschen ärgern wir uns über uns selbst, dass wir nicht einfach umgedreht sind. Einfach kurz innehalten, umentscheiden, weiterfahren und sich etwas anderes suchen. Aber in einem komischen Selbstläufer aus Aktionismus und "Es wird schon irgendwie" fahren wir die steinige, erdige, aus Schlaglöchern bestehende Straße hinunter Richtung Meer. Ja, wir haben es runter geschafft, und der Platz ist wie beschrieben einladend, alternativ, hübsch … aber die Nerven sind schon wieder angespannt. Wir sind mit dem Wohnwagen mal wieder aufgesetzt, Daniel steht wieder Schrauberei am Heck bevor und am besorgniserregendsten ist das Unwetter, das sich plötzlich anbahnt. Wir sind diese rutschige Offroad-Piste irgendwie runtergekommen, aber wie kommen wir wieder hoch, wenn es geregnet hat?! Die Wetter-App spuckt aus, dass sich die Prognose verändert hat, das Unwetter zieht doch nicht knapp vorbei, sondern soll sich in den nächsten Tagen genau hier entladen und es ist mit heftigen Regenfällen zu rechnen. Heute ist es zu spät, um wieder aufzubrechen und noch zu einem anderen Platz zu fahren, und wir beschließen, dass wir am nächsten Morgen weiterziehen. Wir hoffen das Beste und dass es noch früh genug ist, um nach einer Regennacht den Hang wieder hochzukommen. Wir lenken uns den Abend über mit zahlreichen UNO-Runden ab und schlafen unruhig, als der Regen anfängt, unaufhörlich auf das Wohnwagendach zu prasseln. Am nächsten Morgen frühstücken wir nicht. Nur Hose an, hochkurbeln, ankuppeln und sehen, dass wir hier wegkommen. Andere Camper stehen schon draußen und begutachten die Sturmschäden … alles ist schlammig, riesige Pfützen haben sich gebildet, man erkennt auch nicht mehr die Tiefe der Schlaglöcher, da alles vollgelaufen ist, und das Auto von Kevin, mit dem er den Zufahrtsweg heruntergekommen ist, sieht aus, als käme er straight aus dem Unwetterszenario bei Jurassic Park 1. Die Mitcamper sehen uns mitleidig an und wünschen uns viel Glück fürs Zurückkommen.

Ja, wir haben es mal wieder geschafft. Aber fragt nicht, wie. Die 1,5 km bis zur Hauptstraße brettert Daniel mit unserem Gespann hinauf und es ist pures Glück, dass wir uns nicht festfahren und der Wohnwagen und das Auto nicht so aufsetzen, dass größere Schäden entstehen. Bitumenspray regelt.

 

Wir sind so erleichtert, als wir nicht nur die Hauptstraße erreichen, sondern sich auch die weitere Strecke nach Gjirokaster als wunderbar einfache und gut zu fahrende, sehr neue Straße entpuppt. Man hat mal wieder das Gefühl, dem größten Unglück von der Schippe gesprungen zu sein und wir geloben uns, dass wir nie wieder in eine Straße reinfahren, bei der wir ein schlechtes Bauchgefühl haben. Spoiler: Es wird noch eine ganze Weile brauchen, bis ich letztlich akzeptiere, dass man es einfach nicht in der Hand hat. Ich plane, recherchiere, mache, lese, schreibe Mails und frage an, ob wir mit unseren Maßen auf einen Platz passen, wir schauen uns jede Strecke an, hören auf unser Bauchgefühl, sprechen, kommunizieren und tun verdammt nochmal alles … und am Ende fährt man doch einfach übermüdet gegen einen Baum (Italien). Nach wie vor ist nichts passiert, was wir nicht reparieren oder reparieren lassen konnten. Und ich will auch weiterhin daran glauben, dass meine Planung und das viele Nachdenken dazu beitragen, dass wir in der Regel gut und sicher von A nach B kommen. Und es sei auch gesagt, dass es sich in keinster Weise um so eine komische deutsche Autoliebe handelt, wo Menschen, äh Männer, so tun, als sei ihr Fahrzeug ihr Familienmitglied. Tatsache ist einfach, dass der Wohnwagen ein echter kleiner Humpty Dumpty ist und durch die Leichtbauweise kann schon ein kleiner Crash erhebliche Schäden anrichten und unserer Reise ggf. ein Ende setzen.

 

Zurück zu unserer letzten Albanien-Etappe. Wir werden durch das Unwetter eine Ausgrabung nicht sehen (Butrint), aber es kommt auf die Liste "wenn wir nochmal hier sind …". Denn was sich auf jeden Fall schon sagen lässt: Wir sind so begeistert von Ost- und Südosteuropa, dass, egal in welcher Form von Reise oder Urlaub, wir einige dieser Länder wiedersehen wollen. Albanien gehört auf jeden Fall dazu.

 

Wir kommen nach 2 Stunden Fahrtzeit in Gjirokaster an und checken ein auf "Ora RV Camping". Ein echtes Roadstop-Juwel! Keine Frage, unter anderen Umständen würde ich sicherlich zugeben, dass dieser Platz wenig Gemütlichkeit ausstrahlt. Es ist mehr ein Camperstop, direkt an der Hauptstraße gelegen, die nach Gjirokaster hineinführt. Der vordere Teil gleicht einem Parkplatz, im hinteren Bereich gibt es eine größere Fläche auf Schotter. Aber nach dem Schlammloch, aus dem wir kommen, und der Wettervorhersage, die uns bevorsteht?! Ein perfekter Platz! Sicher, ebenmäßig, ein Restaurant vor der Tür, saubere Sanitäranlagen, sogar Waschmaschine inklusive und die Stadt fußläufig erreichbar. Nach der letzten Nacht fühlen wir uns wie im Himmel. Außerdem gibt es den besten Campingplatzkater Ali (ich glaube, benannt nach Ali Pasha), den wir innerhalb kürzester Zeit ins Herz schließen. Er kürt unser Auto zu seinem Lieblingsschlafplatz und nimmt mit Vorliebe auf der warmen Motorhaube Platz. Er entwickelt außerdem recht schnell den Trick, sich unter dem Wohnwagen zu verstecken, so dass man ihn nicht sieht, wenn man rauskommt, um dann blitzschnell auf den Tritt zu springen und hinein in den Wohnwagen. Die erste Katze, die es schafft, in unsere 4 Wände einzudringen und es sich auf Daniels Bett gemütlich zu machen.

Der Campingplatz wird von einer super netten Familie geführt. Mama und Schwester kochen im Familienrestaurant. Wir gehen gleich 2 Mal hier essen und es ist so lecker! Einfache Hausmannskost, perfekt und frisch zubereitet, ein Rakja aufs Haus und ein freundlicher Schnack zwischendurch. Der Sohn der Familie fährt für kleines Geld die Besucher*innen zur Burg hoch – auch wir nehmen diesen Service gerne an und lassen uns an einem der Gutwettertage den Berg hinauffahren.

Der entspannte Aufenthalt im Ora RV Camp stellt einen schönen Abschluss unserer Zeit in Albanien dar. Von hier aus ist es nur noch eine Stunde Fahrtzeit zur griechischen Grenze... 

 

Ein kleiner Rückblick und Abschied von Albanien

 

"Montenegro ist schön, Albanien ist spannend." Ich bemühe noch einmal das Zitat von Jochem, um einen kleinen Rückblick zu halten. Wir haben Albanien von verschiedenen Seiten kennengelernt, ja, von der "spannenden" Seite mit all seiner Geschichte, den noch im Aufbruch befindenden Themen, den Visionen einer jüngeren Generation. Wir haben die unschönen oder unverfälschten Seiten gesehen, den Müll, das Müllverbrennen. Menschen in Armut, Menschen ohne Obdach, Menschen, die betteln und in prekären Unterkünften wohnen. Unschön ist aber genauso der Anblick von hohen Hotelbauten, betonierten Küsten und Wohnkomplexen, die wahrscheinlich nie fertiggestellt werden. Ich will auch nicht leugnen, dass es auf Dauer anstrengend war, nur ein begrenztes Sortiment im Supermarkt zur Verfügung zu haben und auf den gewohnten Komfort eines größeren Discounters verzichten zu müssen.
Wir haben aber auch die schönen Seiten kennen und schätzen gelernt, und für uns wog dieser Eindruck deutlich mehr. Wenn ich an Albanien denke, dann kommen mir die unterschiedlichen Landschaften in den Sinn, die Vielseitigkeit von Bergen, Meer, weiten Feldern und Landstraßen, die durch scheinbar unberührte Natur führen. Ich denke an die absolute Freundlichkeit der Menschen, man fühlte sich überall willkommen und begrüßt. Tatsächlich gibt es in der albanischen Sprache auch ein Wort dafür: Mikpritja. Das bezeichnet die traditionelle Form der Gastfreundschaft und beschreibt mehr als reine Freundlichkeit, sondern die selbstverständliche Haltung, Gäste offen, großzügig und respektvoll zu empfangen und zu bewirten. Ich denke an den großen Respekt, den wir immer wieder empfunden haben, den Menschen gegenüber, die so einfallsreich und resilient sind, mit all der erlebten Geschichte im Rücken. Ich denke an das Granatapfel- und Traubenpflücken, an wunderschöne Campingplätze, an Kater Ali, an das beste Essen in Tirana, an den Obst- und Gemüsestand in Gjirokastër, wo wir für unglaublich wenig Geld große Tüten mit Quitten, Trauben und frischem Gemüse holten, ich denke an die besten "Balkan-Chips" mit Kajmak-Geschmack, die es hier das letzte Mal gab, ich denke an viele nette Gespräche mit anderen Campern und Reisenden.
Es gibt noch so viele Orte, die man in Albanien besuchen kann, das Hinterland, die albanischen Alpen, die Strände im Süden... Es schmerzt mich, dass uns im Vorfeld, aber auch später auf unserer Tour, immer mal wieder Menschen mit Vorurteilen begegnet sind, die mit ihren eingeschränkten Sichtweisen arrogant auf ein Land schauen, was sie in der Regel noch niemals besucht haben. Man muss nicht alles toll und "schön" finden, man muss auch nicht jedes Land bereisen, aber man sollte nie urteilen, verurteilen und pauschale Aussagen über ein ganzes Land oder seine Bevölkerung treffen. Wenn in Deutschland auch nur ein Teil der Zugewandtheit, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft verbreitet wäre, die uns auf dem Balkan und in Albanien begegnet ist, würde unser Zusammenleben so viel besser sein.
Wir brechen am 28. Oktober in Gjirokastër auf und fahren durch eine wunderschöne, herbstliche, sonnendurchflutete Landschaft nach Griechenland hinein. Es fühlt sich wunderbar an – ganz vertraut und heimelig, Griechenland ist ein bisschen wie "nach Hause kommen". Wir merken, dass uns das gut tut. Nicht nur Albanien steckt uns in den Knochen durch die vielen Eindrücke, die herausfordernde Geschichte und die hohe Zahl an Ausflügen, Sehenswürdigkeiten, das Rumfahren. Generell merken wir, dass bestimmte Dinge, die das Reisen mit sich bringt, auf Dauer durchaus anstrengend sind. Wenn man im Urlaub ist, freut man sich auf neue Supermärkte, andere Speisen und Produkte. Wenn man über Monate unterwegs ist, sind solch Alltäglichkeiten wie Einkaufen gehen anstrengend! Wir waren bis jetzt selten so lange an einem Ort, dass man sich mit bestimmten Wegen und Orten richtig vertraut gemacht hat. Wenn ich zuhause in "meinen" Kaufland gehe, kann ich quasi blind durch die Gänge streifen und weiß mit einem Handgriff, wo die Kokosmilch steht, wo die Wraps liegen, wo das Tomatenmark ist und wo die Hafermilch. Wenn man über Wochen bei jedem Einkauf ein neues Geschäft vor sich hat, Produkte in einer anderen Sprache, immer wieder eine andere Währung, man dann erst einmal schauen muss, ob es Tomatenmark überhaupt gibt und ob man Gemüse hier selbst wiegen muss und wie, wenn man kein Wort versteht, dann ist das nicht immer ein "tolles, exotisches Reisefeeling und Freude an etwas Neuem", sondern man will einfach nur seine 10 Produkte finden und Ruhe haben. Auch weitere, total niedrigschwellig erscheinende Dinge wie das Organisieren von Wäschewaschen können ein langwieriges Thema sein: Wie wird das Wetter, wann waschen wir und wann unternehmen wir was – bleiben wir am Platz, falls es doch regnet? Gibt es überhaupt eine Waschmaschine auf dem Campingplatz, und wäscht diese gut oder hinterlässt Waschmittelreste, und man muss mit der Hand wieder nachwaschen, wo kann man eine Wäscheleine spannen, wenn es keine Bäume gibt, passt mehr als eine Maschine auf die Leine, die man gespannt hat? Und natürlich sehr beliebt: Wenn wir waschen wollen, dann wollen das in der Regel auch andere, und gerade wenn in der Herbst- und Winterzeit die Sonnenstunden deutlich weniger werden, stehen alle schon morgens um 7 vor der Maschine, um die*erste zu sein. Klingt vielleicht alles nach Luxusproblem, aber addiert man noch hinzu, wie viel Zeit das Routenplanen, Unternehmungen raussuchen, Spülen, Reparaturen (!), Aufräumen, Putzen, Müll entsorgen, Grauwasser und WC-Kassette wegbringen, Frischwasser befüllen, Kochen, das erwähnte Einkaufen, Wohnwagen wieder "startklar machen" und packen, wieder auspacken... in Anspruch nehmen, dann kann man sich vielleicht ein bisschen vorstellen, dass das Reiseleben nicht nur daraus besteht, von A nach B zu fahren, sich tolle Sachen anzuschauen und jede Menge freie Zeit zu haben. Darum also freuen wir uns so auf Griechenland. Ich kann zwar schon verraten, dass wir weiterhin viel gesehen und erlebt haben und wir uns zwischendurch immer mal wieder fragten, wann wir eigentlich mal Zeit haben, um ein Buch zu lesen oder w i r k l i c h mal nichts zu tun, aber entschleunigt hat uns auf jeden Fall, dass wir über viele Wochen nur in einem Land waren und auf Campingplätzen viel länger verweilten als in den Monaten zuvor. Hier konnte sich dann wirklich mal eine Art von Vertrautheit einstellen, und man ist tatsächlich mehrfach in den gleichen Supermarkt gefahren und wusste dann, wo das Tomatenmark steht ;-)
Aber bevor wir uns endgültig verabschieden und in unser geliebtes Griechenland aufbrachen, sind wir ja noch ein paar Tage hier … und erkunden den traditionsreichen Ort Gjirokastër!

Hier noch ein paar Autofahrten-Schnappschüsse von unserer Reise durch Albanien: